Mag. Katja Jääskeläinen ist geschäftsführende Gesellschafterin der ScanLang GmbH und zuständig für den Bereich Sprachdienstleistungen. ScanLang ist das größte Unternehmen in Österreich für skandinavische Sprachen und skandinavische Kommunikationstools.

Gibt es Projekte, auf die Sie besonders stolz sind?

Für mich persönlich sind diejenigen Projekte am ergiebigsten, bei denen ich das eigene Fachwissen optimal einsetzen und mich beruflich weiterentwickeln konnte. Ein Beispiel aus meiner persönlichen Laufbahn ist mein Dolmetscheinsatz beim Studienbesuch des finnischen Juristenverbandes in Wien. Da JuristInnen für ihre Genauigkeit berühmt sind, habe ich mich für den Einsatz ganz besonders sorgfältig vorbereitet. Nach einem Vortrag am Verfassungsgerichtshof sind ein paar Teilnehmer, ältere, distinguierte Herren, zu mir gekommen und gesagt, dass ich sicher auch selbst Juristin bin, da ich alles so perfekt übersetzen konnte.

Im Bereich der Übersetzungen kann ich mein Jahr an der Europäischen Kommission erwähnen. Die Finnisch-ÜbersetzerInnen der Generaldirektion Übersetzen gehören für mich ohne Übertreibung zu den allerbesten des Faches, und es war mir eine große Ehre, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Von unseren anderen Projekten möchte ich ganz besonders die sprachliche Lokalisierung der Marketingunterlagen für die schwedische Niederlassung von XXXLutz hervorheben. Unsere Schwedisch-Übersetzerinnen haben den schwedischen Projektleiter sprachlich unterstützt, indem sie die Produktbeschreibungen auf Schwedisch verfassten und anpassten. Dies erforderte außer Übersetzungskompetenz auch Gespür für lokale Eigenheiten und den Marketingdiskurs.

Welche Unterschiede sehen Sie im Geschäftsgebaren in Finnland und Österreich?

Für mich sind es in erster Linie individuelle Unterschiede: entgegen aller Stereotypien habe ich finnische GeschäftspartnerInnen, die ausgesprochen redefreudig sind und nie vergessen, einen schönen Abend zu wünschen, und österreichische GeschäftspartnerInnen, die höchstens „Ja, alles bestens“ antworten. In Finnland ist es für mich auch eine Generationsfrage, denn jüngere Leute sind oft wesentlich sprachkundiger und wissen zuweilen auch, dass Small Talk „gratis, aber nicht umsonst“ ist…

Was ich aber nach wie vor besonders in der schriftlichen Kommunikation wahrnehme: in Finnland hat die sogenannte negative Höflichkeit einen stärkeren Stellenwert als in Österreich. Man will gegenüber dem Kunden auf keinen Fall zu aufdringlich wirken. Ein Beispiel aus dem Bereich der Produktpräsentationen: Früher bestand eine typische Beschreibung aus der lakonischen Feststellung „Wir bieten die Produkte X und Y an“. Mittlerweile hat man gelernt, dass es nicht ohne Eigenlob geht, und daher heißt es nun „Wir bieten die weltbesten X und Y an“. Aber aus österreichischer Sicht ist das immer noch zu wenig – ein österreichischer Kunde will einfach stärker umworben werden. Die Anpassung an den landesspezifischen Diskurs ist für uns ein ganz wesentlicher Teil, wenn man einen neuen Markt erobern will, und deshalb bieten wir unseren Kunden immer die Möglichkeit, die Texte auch inhaltlich zu optimieren.

Was können Finnen von den Österreichern lernen und umgekehrt?

Das, was FinnInnen von den ÖsterreicherInnen lernen können, ist ganz gewiss die Diplomatie, das souveräne, gewandte Auftreten. Es ist nun mal so, dass der menschliche Faktor eine viel größere Rolle spielt als viele FinnInnen es wahrnehmen wollen – nicht nur in Österreich, sondern in den meisten anderen Ländern der Welt.

Was Österreich von Finnland lernen könnte, ist die Innovationskraft, die Fähigkeit zum Querdenken. Traditionen haben sicherlich viel Positives, aber was dem Kaiser recht und billig war, ist es der Gesellschaft nicht unbedingt mehr im 21. Jahrhundert… Auch die österreichische Neigung zur Konsensbildung betrachte ich mit gemischten Gefühlen, denn das an sich lobenswerte Bestreben, alle Meinungen zu berücksichtigen, führt allzu oft nur dazu, dass notwendige Reformen auf die ferne Zukunft verschoben werden.