„Echte Geschäfte passieren immer zwischen Menschen“

Der Finnische Unternehmer Eero Mäkiö hat von Wien aus mit der Aure Trade Handelskontor zahlreiche finnische Firmen weltweit vertreten. Er hat für sie Waren aus der ganzen Welt importiert und auch zahlreiche Industrieanlagen gebaut. Auf der Referenzliste finden sich u.a. Rentto , Orion Noiro, Berner, Feramo, JW Suominen, RWS, Lana, Nordic Aluminium, Lival, und viele weitere internationale Firmen. Herr Mäkiö war zudem 1976-77 Obmann der Kauppakilta.

Im nachfolgenden Interview berichtet Herr Mäkiö über Veränderungen in den Geschäftsbeziehungen zwischen Finnland und Österreich und die Chancen, die sich für beide Länder in der Zukunft ergeben.

Eero Mäkiö

Eero Mäkiö

Aus welcher Motivation heraus entstand das Finnforum?

„Die Gründung erfolgte 1969 durch den damaligen finnischen Handelsattache’ in Wien. Erste Mitglieder waren die Finnische Botschaft, offizielle Organisationen, wie beispielsweise die Atomenergiebehörde, und auch Vereine der Exportindustrie. Der Sinn war, den finnischen Exporteuren, trotz diverser Barrieren – zB Zöllen – zu helfen, hierzulande Fuß zu fassen. Es wurde damit auch ein Forum für den Wissensaustausch untereinander geschaffen, etwa über Erfahrungswerte in den damaligen Ostblock-Ländern. Natürlich gab es zur Kontaktpflege auch Veranstaltungen mit hochkarätigen Referenten, speziell aus der österreichischen Politik.“

Wie entwickelte sich das Finnforum?

„Bis Anfang der 1980-er Jahre gab es mehrere Veranstaltungen des Forums, fachlich wie gesellschaftlich ausgerichtet. Aber auch das persönliche Matching für Geschäftsleute haben wir forciert, etwa durch das Organisieren von Wirtschaftsreisen. Da wurden wechselseitig Flüge und Netzwerk-Treffen durchgeführt. Alles aus einer Hand. Diese Form des Vernetzens war sehr erfolgreich. So wurde die finanzielle Basis für den Verein geschaffen. Zudem haben Finnischen Wirtschaftsstudenten Dolmetscher-Tätigkeiten über das Finnforum angeboten.“

Wie lief die Entwicklung nach der Ostöffnung?

„Mit besseren Sprach-, und Marktkenntnissen gab es schon erste Veränderungen. Dann kam die Ostöffnung, sodass nicht mehr die staatlichen Stellen alleine Ansprechpartner waren, sondern Firmen sich direkt austauschen konnten. Finnische Handelsorganisationen einzelner Industrien haben sich aufgelöst. Und auch den Weg über Österreich musste man nicht mehr nehmen, um von hier aus weiter zu exportieren. Zudem haben Finnische Firmenniederlassungen vermehrt auch Österreicher in die Geschäftsführung entsendet. Die haben natürlich ihr eigenes Netzwerk eingebracht. Kurzum: Die Bedeutung des Forums trat etwas in den Hintergrund. Und dann entstand das Internet.“

Wie mächtig ist das Internet in Geschäftswelt?

„Es gibt heute im Berufsleben sehr viele Vereinfachungen und Beschleunigungen. Aber dennoch bleibt im Internet alles virtuell. Echte Geschäfte werden nur durch persönliche Kontakte gemacht. Für den langfristigen Erfolg braucht es immer Vertrauen. Und das entsteht nur durch Gespräche und Kontaktpflege untereinander. Und genau hier liegt eine große Chance für das Finnisch-Österreichische Wirtschaftsforum: Persönliche Vernetzung.“

Wie finnischen Firmen in Österreich besser helfen?

„Für den Finnischen Export ist grundsätzlich jedes Land wichtig, gerade in der jetzigen, wirtschaftlich angespannten Situation. Der Binnenmarkt ist nicht groß genug. Die großen Märkte wiederum sind wieder zu riskant. Es gibt ja zu wenige mittelgroße Unternehmen in Finnland. Mit einem Markteintritt in Österreich aber können diese kleineren Firmen ihre Produkte testen und bei Erfolg weiter wachsen. Hier Hilfestellung zu bieten, ist eine große Chance für das Finnforum. Aber auch in umgekehrter Richtung soll das Netzwerk natürlich funktionieren. Dazu müssen die Kontakte zu den finnischen Organisationen weitere intensiviert werden. Das Finnisch-Österreichische Wirtschaftsforum hat auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe im Austausch der finnischen und österreichischen Wirtschaft.“

Herr Mäkiö, wir danken für das Gespräch.

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