„Finnland steht für gute Bildung und starke Marken“
Im Interview: Eveline Steinberger-Kern

Sie waren Managerin auf Konzernebene, sind heute eine internationale Erfolgsunternehmerin, speziell im Startup- Umfeld. Wie kam es dazu?

Ich bin eine sehr neugierige Person, suche immer nach der nächsten Herausforderung. Insofern war die Zeit nach 15 Jahren Konzernerfahrung reif für Entrepreneurship, umso mehr als ich bei Siemens damals  u.a. für die  Projektentwicklung von Photovoltaik und Smart Grids verantwortlich war. Mein erstes Unternehmen/Startup habe ich dann 2014 in Israel gegründet. Für mich bietet dieses Land das perfekte Ökosystem für Tech-Innovationen. Die Foresight, so heißt das AI energy Startup, ist heute in 5 Märkten tätig und wird weiter expandieren.

Was konkret bietet ihr Unternehmen an? Auf welche Bereiche sind Sie spezialisiert? Wer ist Ihre Zielgruppe?

Blue Minds ist so eine Art Company-Builder. Wir sind auf Business Model Innovation im Energietransformationsprozess fokussiert. Suchen also nach neuen innovativen Geschäftsmodellen im Bereich Renewables, Electric Mobility, Smart Grids oder Energy Storage. Drei Unternehmungen haben wir bislang selbst gegründet und mit aufgebaut: Foresight, 12Energy und Energy Hero. Letzteres ist gerade im Verkaufsprozess. Daneben investieren wir auch in Frühphasen-Startups. Wir bringen „smart money“, das heißt, wir bringen auch unsere Industrieerfahrung und unser Netzwerk mit ein. Und schließlich haben wir WeXelerate mit aufgebaut – CEE´s größtes Innovationhub in der Praterstraße 1.

Neben diversen Aufsichtsratsfunktionen sind Sie im Beirat von WeXelerate. Können Sie die besonderen Vorteile dieser Einrichtung näher beschreiben?

WeXelerate ist Wiens erster und noch einziger Innovationhub dieser Dimension. Auf 9.000 m2 haben wir im Herzen von Wien ein Einkaufshaus der Innovationen geschaffen. Investoren, Startups, Industrieunternehmen und diverse Servicepartner teilen sich das Haus und arbeiten sektorübergreifend an den Herausforderungen der digitalen Transformation. WeXelerate managt und koordiniert dieses wunderbare Ökosystem. Neben den neuesten Innovationstools bekommen die mitwirkenden Industrieunternehmen auf ihre Innovationsbedürfnisse zugeschnitten, internationale Startups für die Zusammenarbeit präsentiert. Zweimal pro Jahr absolvieren wir mit je rund internationalen 50 Startups einen Accelerator in den Themenfeldern AI, AR, VR, Blockchain, Cybersecurity big data usw., um die Startups bei ihrem Weg in den Markt zu unterstützen.

Der große Mehrwert ist ein perfektes Matching von etablierter Industrie mit neuen, agilen Tech-Startups basierend auf einem one-stop-shop Konzept. Open Innovation wird dort zur täglichen Praxis.

Wie sehen Sie grundsätzlich die startup-szene Szene in Österreich? Welche Herausforderungen und Trends sind zu erwarten? 

Im internationalen Vergleich ist die österreichische Startup-Szene noch klein und jung. Aktivitäten, wie WeXelerate, werden aber stark dazu beitragen, die Startup-Entwicklung zu beschleunigen. Gerade die engere Vernetzung mit Universitäten und Forschungseinrichtungen gehört in Österreich in vielen Themenfeldern noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Hierzulande gibt es wesentlich weniger Spin-Outs als in den führenden Innovationsnationen. Die großen Trends unterscheiden sich hierzulande nicht von jenen die global zu sehen sind: Künstliche Intelligenz überall, sog. Transparently Immersive Experiences – also das Verschwimmen von Menschen, Unternehmen und Dingen sowie digitale Plattformen. Für Unternehmen heißt es unabhängig davon, in welchem Sektor sie tätig sind, sich diesen Innovationen zu widmen. Das Überleben bzw. ein Wachstum darüber, ist einfach wesentlich wahrscheinlicher.

Können Sie Vergleiche zur Startup-Szene in anderen Teilen Europas, und speziell zu Finnland ziehen?

Finnland hat Slush. Das ist toll und eines der führenden Startup-Events weltweit. Das zieht top-tier Investoren an, das zieht Talente an und, das unterstützt die Industrie, die darauf aufmerksam wird. Zudem weist Finnland in den Tech-Feldern enorm gut ausgebildete junge Menschen auf. Wir sind ja hier in Wien auch schon mit einigen dieser in Kontakt und wollen sie in unser Ökosystem bringen. In Europa fasziniert mich weiters die Startup-Szene in Berlin – sehr professionell und dynamisch. Und dann natürlich Paris. Die Stadion-F wirkt weit über die französischen Grenzen hinaus. Tja, da gilt es hier in Wien am Ball zu bleiben und die Kräfte zu bündeln. Aber das sind wir ja mit WeXelerate auf einem sehr guten Weg.

Zum Abschluss ganz generell gefragt: Welche drei Dinge assoziieren Sie mit Finnland?

  • gut ausgebildete junge Menschen
  • starke erfolgreiche Brands, wie Fortum, Kone, Fiskars, Linux, Marimekko, Angry Birds, Sauna
  • kaltes Wetter

Zur Person

Eveline Steinberger-Kern, 1972 geboren in der Obersteiermark, ist Unternehmerin. Im Frühjahr 2014 hat sie die The Blue Minds Company GmbH gegründet, die sich mit den Fragestellungen der globalen Energietransformation auseinandersetzt, neue Geschäftsmodelle entwickelt und in Startups investiert. Davor war sie gut 20 Jahre in verschiedenen führenden Managementpositionen in der Energiewirtschaft und Industrie beschäftigt. Sie baute u.a. das Endkundengeschäft von VERBUND auf und leitete das Energiegeschäft für Siemens in CEE. Seit 2014 hat sie selber drei Unternehmen im Bereich digitaler Energieservices in Wien und Tel Aviv gegründet und entwickelt.

Neben den eigenen Gründungen ist sie seit 2014 auch Beteiligungen eingegangen und begleitet als Advisor Startups in den Regionen D/A/CH/CEE, Israel und den USA bei deren Markteintritt. Darunter etwa has-to-be, Visotech, bgood, WeAreDevelopers, grid singularity, Solarpaint,
Chakratec, Keepers, EnLedger oder Solarheap. Seit 2014 wurden dabei mehr als 60 neue Arbeitsplätze im In- und Ausland geschaffen.

Eveline Steinberger-Kern hat in Graz an der Karl-Franzens-Universität in Wirtschaftswissenschaften promoviert.
In Wien hat sie den Innovationhub WeXelerate mitinitiiert und mit aufgebaut. Dieser eröffnete im Herbst 2017 seine Pforten in der Praterstraße 1. Seit Sommer 2017 leitet sie das Advisory Board und seit Beginn dieses Jahres auch den Aufsichtsrat der WeXelerate. Weitere Aufsichtsrats- und Beiratsmandate hält sie in der Bank Austria Unicredit in Wien und KGAL in München. Bei Manageers, Startup Leitner und Female Founders ist sie Mentorin.

Privat ist sie seit 2009 mit Christian Kern, Ex-Bundeskanzler der Republik Österreich verheiratet. Gemeinsam haben sie eine 10-jährige Tochter.

By |2018-05-29T18:04:07+00:0029.05.2018|0 Comments

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